Finde Deine Worte, riet mir der Freund
In meiner Not wusst’ nicht ein noch aus
kroch in mich rein doch nicht heraus
Dabei – es lag auf der Hand
waren sie alle schon bekannt
Finde Deine Worte – trug er mir auf
und so nahm ich die Suche auf
Im Duden standen sie aufgereiht
wie Soldaten, zum Appell bereit
Abschied, Angst und Abendrot
in Reih und Glied bis hin zum Tod
Im Netz dann drängten sie sich vor
wie Vertreter, den Fuß im Tor
lächelnd, glatt und gut frisiert
tausendfach schon ausprobiert
Zuletzt sah ich sie Schlange stehen
wie Kunden, die zur Kasse gehen
zur Kasse dieses Lebens hin
gezählt, gewogen – ohne Sinn
Da merkt’ ich erst, was er gemeint:
Kein Wort ist meins, solang’s nur scheint
Ich muss sie aus der Reihe holen
und neu sie stellen, unbefohlen
Nun steh’n sie da, nicht mehr in Reih’
ein bisschen schief, ein bisschen frei
und keins davon ist wirklich neu –
doch so gestellt, sind sie mir treu
Finde Deine Worte – riet mir der Freund
Ich sprach sie aus, fand aus mir heraus